US-Rakete statt Buk: MH17-Ermittler nehmen falsche Ausgangsdaten

in Panorama

Die niederländische Kommission, die zur MH17-Katastrophe in der Ukraine ermittelt, stützt sich nach Erkenntnissen des russischen Rüstungskonzerns Almaz-Antey auf falsche Ausgangsdaten. So beschreibt der erste Ermittlungsbericht vom Oktober 2015 das Funktionsprinzip einer amerikanischen Rakete, das ganz anders ist, als bei der Buk-Rakete.

Über die falschen Angaben, die schließlich zu Fehlschlüssen geführt haben, sprach Michail Malyschewski, Berater des Generalkonstrukteurs des Rüstungskonzerns Almaz-Antey. Der Konzern baut unter anderem Flugabwehr-Raketensysteme des Typs Buk. Vermutlich mit einer Buk-Rakete wurde am 17. Juli 2014 die malaysische Passagiermaschine Flug MH17 über der Ukraine abgeschossen. Damals starben 298 Menschen. Am 28. September dieses Jahres will die niederländische Ermittlungskommission in einem neuen Bericht den Startort der Rakete nennen.

Die niederländische Untersuchungskommission habe Anfang 2015 den Buk-Hersteller Almaz-Antey um technische Beratung gebeten, teilte Malyschewski in einem Interview für den Fernsehsender RT mit.

Obwohl der Rüstungskonzern alle angefragten Angaben, darunter auch vertrauliche, zur Verfügung gestellt habe, hätten sich die niederländischen Ermittler auf ein von einem Computer modelliertes Bild der Explosion verlassen. Die Ergebnisse von mehr als 100 Feldexperimenten, die bereits zu Sowjetzeiten in einem natürlichen Umfeld durchgeführt worden seien, seien ohne weiteres ignoriert worden.

Anderer Sprengkopf

Aber auch dem Computermodell, auf das sich der Ermittlungsbericht stützte, lagen laut Malyschewski falsche Ausgangsdaten zugrunde. „Die holländischen Spezialisten bedienten sich oft sehr unseriöser Quellen. Selbst die endgültige Fassung enthält Hinweise auf Wikipedia…Beim Modellieren der Explosion des Gefechtskopfes diente ein Forschungswerk eines renommierten amerikanischen Spezialisten als Grundlage.

Der Amerikaner sei wirklich ein Profi, habe jedoch grundsätzlich andere Typen von Gefechtsköpfen untersucht, nämlich zylindrische Sprengköpfe aus US-Produktion, bei denen die Explosion von hinten ausgelöst werde und die Splitter nach vorne gestreut würden, sagte Malyschewski. Der Buk-Sprengkopf sei fassförmig und die Explosion werde im vorderen Teil ausgelöst.

„Bei den amerikanischen Erzeugnissen ist es genau umgekehrt. Doch aus irgendeinem Grund schrieben die niederländischen Spezialisten in ihrem technischen Bericht, dass ihr Computermodell aus ‚mathematischen Gründen‘ da besser passe als die Ergebnisse der sowjetischen Feldexperimente aus den 1980ern-Jahren“.

Auch die Resultate neuer Feldexperimente überzeugten die Ermittler nicht. Almaz-Antey hatte ein abgemustertes Passagierflugzeug mit einer echten Rakete gesprengt, um nachzuweisen, dass die Rakete, die MH17 vom Himmel holte, unmöglich aus der Ortschaft Sneschnoje hätte abgefeuert sein können, wie dies die Ermittler vermutet hatten. „Unser Experiment wurde mit Foto- und Hochgeschwindigkeitskameras aus verschiedenen Winkeln aufgezeichnet, alle Schäden, die sowohl außen als auch innen entstandenen, wurden genau dokumentiert“, so Malyschewski. „Alle unbearbeiteten Fotos und Videos übergaben wir der niederländischen Kommission – Kommentare gibt es bis jetzt keine.“

Wäre die Rakete aus Sneschnoje abgefeuert worden, das zum Zeitpunkt des Absturzes von Donezker Milizen kontrolliert wurde, wäre sie auf Gegenkurs zum Flugzeug gewesen, die Splitter hätten die Außenverkleidung durchschlagen, erläuterte der Experte. „Man kann es sich ja nicht vorstellen, dass die mit 2 km/sec fliegenden Splitter von der 2 mm dicken Duraluminium-Schicht wie Erbsen von einer Wand abprallen.“
Doch an den Wrackteilen gäbe es sehr viele nicht durchgehende Schäden: Dellen und sogar Kratzer. „Das ist nämlich nur dann möglich, wenn die Splitter auf Parallelkurs zum Flugzeug fliegen.“ Die gegenteiligen Schlüsse im niederländischen Untersuchungsbericht seien also falsch.

Quelle: Sputnik News