Gefälschte Nachrichten und und unwahre Flaggen

Falsche Nachrichten und Propaganda

in Panorama

„The Bureau of Investigative Journalism“ hat neu Entdeckungen enthüllt: Die Regierung der Vereinigten Staaten hat zwischen Mai 2007 und Dezember 2011 über $ 500 Mio. an die britische Public Relations Firma Bell Pottinger bezahlt, um gefälschte al Qaida-Videos zu produzieren mit denen man die Orte verfolgen konnte, an denen Terroristen sich die Videos anschauen würden.

Nach Angaben eines Bell Pottinger Insiders wurden die Videos in drei Kategorien aufgeteilt. „Weiß“ bedeutet „korrekte Zuordnung“, „Grau“ bedeutet „nicht zugeschrieben“ und „Schwarz“ ist falsch zugeschriebenes Material. Die Medienfirma produzierte verschiedene Arten von Inhalten, von TV Werbespots über Fernsehnachrichten bis „gefälschte al Qaida Propagandafilme“.

Das Material bestand aus drei Arten von Produkten. Die erste waren TV Werbespots, die al Qaida in ein schlechtes Licht rückten. Die zweite Art waren Fernsehnachrichten, die so aussehen sollten als wären sie „von arabischen Sendern produziert“, sagte Wells. Bell Pottinger entsandte Teams, die unscharfe Videos von al Qaida Bombenattentaten filmten und die dann so geschnitten wurden, dass sie wie Nachrichtenmaterial aussahen. Das wurde mit arabischer Stimme vertont und an Fernsehsender in der ganzen Region verteilt, so behauptet Wells.

Das dritte und heikelste Programm, das Wells beschrieb, war die Produktion gefälschter al Qaida Propagandafilme. Er erzählte dem Büro (of Investigative Journalism) wie die Videos gemacht werden. Er erhielt präzise Anweisungen: „Wir müssen ein Video in diesem Stil drehen und es muss Bildmaterial von al Qaida drin sein“, sagte man ihm. „Es muss 10 Minuten lang sein und es muss dieses Dateiformat haben und wir müssen es folgendermaßen kodieren.“

Die „schwarzen“ Propagandavideos enthielten Software zum Aufspüren, verlinkt mit einem Google Analytics Konto, so dass US Militärbeamte Menschen rund um den Globus orten konnten, die diese Inhalte betrachteten. Die Inhalte wurden von US-Marines verbreitet, die an verschiedenen Orten ihrer Patrouillen die Videos hinterließen. Das ganze Vorgehen wurde von einem Angestellten von Bell Pottinger als „ganz normaler Bestandteil des Werkzeugkastens“ beschrieben.

US-Marines nahmen die CDs auf Patrouille mit und ließen sie in dem Chaos zurück, das sie bei ihren Razzien anrichteten. Wells sagte: „Wenn sie ein Haus erstürmten, das sie sowieso verwüsten wollten, dann haben sie einfach die eine oder andere CD fallengelassen.“

Die CDs wurden für Real Player eingerichtet, ein populäres Wiedergabeprogramm, das sich mit dem Internet verknüpfen lässt. Wells erklärt, wie ein Team auf den CDs einen Code einbettete, der sich mit einem Google Analytics Programm verknüpfte, das eine IP- Adressenliste erstellt, wo die CDs abgespielt wurden.
Das Tracking-Konto hatte einen sehr kleinen Verteiler, sagt Wells. Die Daten gingen an ein hochrangiges Mitglied des Bell Pottinger Management-Teams und an einen der US-Militärkommandanten.

Wells erläutert den Aufklärungsnutzen. „Wenn eines mitten in Bagdad angeschaut wird…dann wusste man, dass es da knallt“, sagte er. „Wenn eines 48 Stunden oder eine Woche später in einem anderen Teil der Welt auftaucht, dann ist das interessanter, und danach suchen sie eher, denn damit bekommt man eine Fährte.“

Die Arbeit von Bell Pottinger im Irak war eine riesige Medienoperation, die ca. $ 100 Mio. im Jahr kostete. Fast 300 britische und irakische Leute waren daran beschäftigt. Der Stab der Agentur arbeite auch mit hochrangigen US-Militärbeamten in deren Hauptquartier Camp Victory in Bagdad zusammen.

Die Untersuchung der Büros identifizierte Transaktionen von insgesamt $ 540 Mio. zwischen dem Pentagon und Bell Pottinger. Von Mai 2007 bis Dezember 2011 wurde das für Informations-Operationen und psychologische Operationen gezahlt. Dabei wurde der Großteil des Geldes für Produktions- und Verteilungkosten verwendet, Bell Pottinger kassierte etwa 15 Mio. britische Pfund pro Jahr an Gebühren.

Nach Angaben des Video-Editors Martin Wells, der für das Projekt in Camp Victory im Irak arbeitete, wurde Bell Pottingers Produktionsmaterial von sehr hochrangigen US-Militärbeamten abgezeichnet, darunter General Petraeus, manchmal gingen sie zur Genehmigung sogar an das Weiße Haus.

Die Resultate Bell Pottingers wurden vom Kommandanten der Koalitionsstreitkräfte im Irak abgezeichnet. Wells erinnert sich: „Zwei Colonels schauten sich die Sachen an, die wir an dem Tag gemacht hatten und wenn es ihnen gefiel, dann ging es an General Petraeus.“

Einige Projekte gingen in der Befehlskette noch höher nach oben. „Wenn (Petraeus) nicht abzeichnen konnte, dann ging es weiter ins Weiße Haus. Dort wurde es abgesegnet und die Antwort kam dann wieder nach unten zu uns.“

Es sieht so aus, als sei die Realität interessanter als alles, was sich Hollywood ausdenken kann.

Quelle: Propagandaschau